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SF-Challenge, Station Pluto | „Die Welt in 100 Jahren“, hrsg. von Arthur Brehmer

Die Welt in 100 Jahren
(340 Seiten, ISBN-13: 978-3487083049)

Anthologie von Arthur Brehmer
Erstveröffentlichung 1909


Bücher über die Zukunft gibt es zuhauf. Viele verstecken sich unter dem Gewand der ScienceFiction als spannende, actiongeladene Abenteuergeschichten. Andere bilden oft als literarische Utopien und Dystopien Wünsche oder Befürchtungen der Gegenwart ab. Dritte wiederum sind nicht von Literaten, sondern von Wissenschaftlern und Philosophen verfasst und versuchen sich nicht erzählerisch, sondern eher essayistisch der Zukunft zu nähern. Ein populäres Beispiel hierfür ist Andreas Eschenbachs „Buch von der Zukunft“, ein anderes das vorliegende.

Für dieses Buch wurden vor über 100 Jahren wurden 23 Aufsätze über die Zukunft zusammengetragen. Die Autoren sind Fachleute, Spezialisten auf ihrem jeweiligen Gebiet. Die Themen reichen von Krieg und Frieden, dem sozialen und kulturellen Zusammenleben, Geschlechterrollen, über Kunst, Literatur, Musik und Sport bis hin zu technologischen Weiterentwicklungen.

Die Zukunftsdarstellung ist differenziert, wenn auch in großen Teilen positiv. Die technische Weiterentwicklung wird als Segen wahrgenommen, sogar der ewige Frieden vorhergesagt. Darüber lassen sich leicht die vorhandenen Kapitel über zunehmende Krankheiten und große Kriege vergessen. Etwas zynisch, aber nicht weniger interessant endet die Anthologie mit Überlegungen zum Weltuntergang, der jedoch nur angedacht und durchgespielt, nicht prognostiziert wird.

Das spannendespeziell an diesem Buch über die Zukunft liegt sowohl in seinem Alter und als auch in der Jahreszahl, die Kennziffer für die dargestellte Zukunft ist. Verfasst wurde die Anthologie 1909. Dargestellt wird Welt im Jahr 2009. Das Buch schildert daher 100 Jahre alte Überlegungen über die Ausgestaltung unserer Gegenwart.

Dabei ist die Anthologie deutlich als Kind seiner Zeit zu erkennen. Das neuentdeckte Radium wird in mehreren Texten als das Heilmittel dargestellt, dass die Menschheit in eine neue, glücklichere Epoche führen wird. Die Erwartungen sind dabei so groß, dass alles zerstörerische Potential der Atomkraft zwar genannt, aber nicht als Gefahr erkannt wird. Kaum eine der Hoffnungen hat sich aus heutiger Perspektive bestätigt.

In anderen Feldern sind die Voraussagen weniger überschwänglich, in vereinzelten Fällen dafür treffsicher. Die Voraussage von Handys und der europäischen Einigung sind zwei Beispiele dafür.

Wer diese Anthologie jedoch allein auf die Richtigkeit der Prognose hinliest, wird wenig Freude daran haben. Denn weder konnten die Autoren in die Zukunft blicken, noch haben eine in sich homogene Zukunft dargestellt. Stattdessen finden sich in dem Buch jedoch eine Füllzahl an Ideen und 23 tiefe Einblicke in die Weltanschauung der Menschen vor 100 Jahren.

Stilistisch ist „Die Welt in 100 Jahren“ so unterschiedlich wie seine Autoren und Themen. Erzählerische Passagen sind ebenso darin zu finden wie reine Sachtexte. Das liest sich je nach Perspektive etwas sperrig und altbacken oder auch sympathisch antiquiert, zeitgemäß für ein 100 Jahre altes Buch über unsere Zeit.

Abgerundet wird der reich illustrierte Band, der einzig Informationen zu den Autoren vermissen lässt, durch ein aktuelles Vorwort von Georg Ruppelt.

Für Blätternde ebenso wie Gesamtleser
10 von 10 Punkte
28.8.11 17:33
 
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