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SF-Challenge, Station Jupiter | „Black Prophecy: Gambit“ von Michael Marrak

Black Prophecy: Gambit
(315 Seiten, ISBN-13: 978-3833223556)

Roman von Michael Marrak
2011

2558. Die Menschheit lebt weit verbreitet im Weltall. Um in den widrigen Umwelten der Kolonieplaneten bestehen zu können, wurde tief in die DNA eingegriffen. Zwei neue Rassen entstanden darüber, die erst vom Sapien unterdrückt wurden, sich in einem Krieg befreiten und über ihn stellten. Seitdem sind Sie die Herren der Welt, in der es kein intelligentes Wesen außer dem Menschen zu geben scheint.
Jerome befindet sich auf einer achtjährigen Reise zu einer der neuen Kolonien. Kurz vor Ankunft wird sein Schiff von Unbekannten attackiert. Er umgeht jede Vorschrift und kann den Angriff zurückschlagen, aber verliert seine Fluglizenz. Seine Exfrau Abhanzia, die sich ebenfalls an Bord befindet, gibt sich zur selben Zeit ihrer Drogensucht hin und beginnt, fremde Gestalten zu sehen. Die Ärzte vermuten, dass eine psychische Erbkrankheit bei ausgebrochen ist. Jerome schenkt ihnen zunächst glauben, wären da jedoch nicht die Scanner der Überwachungskameras ...

Michael Marrak ist kein Unbekannter in der deutschen Phantastik-Szene. Obwohl er sich in den letzten Jahren etwas rar gemacht hat, stehen neben seinen zahlreichen Kurzgeschichten vor allem auch seine Roman „Lord Gamma“, „Morphogenesis“ und „Imagon“ für ein Leseerlebnis der besonderen Art. Marrak schreibt ebenso fundiert wie außergewöhnlich, ist in der ScienceFiction, im Horror und im Surrealismus zugleich zu Hause und mixt daraus wie kein anderer einen eigenwilligen, kruden Mix.
Dementsprechend hoch sind die Erwartungen an seinen neuen Roman.

Mit „Gambit“ wagt er sich auf ein neues Terrain. Es ist sein erster Roman zu einem Computerspiel, nämlich zu „Black Prophecy“, an dessen Entwicklung er beteiligt ist.
Bei der Lektüre wird schnell deutlich, dass Marrak zweierlei versucht. Zum einen möchte er eine Geschichte erzählen, zum anderen versucht er den Leser in das „Black Prophecy“-Universum einzuführen. Deshalb ist auch nicht wunderlich, dass der Roman nicht mit einem furiosen Prolog, sondern mit einer Chronologie beginnt. Beginnend mit der Mondlandung 1969 stellt Marrak darin die Eckpfeiler des Weges der Menschheit in den Weltraum bis 2558 dar. Das liest sich gut und flüssig, hat aber mit der Romanhandlung selbst nur am Rande zu tun.
Leider trifft das auch auf viele weitere Passagen des Romans zu. Marrak hat eine phantastische Welt entworfen und will dem Leser zeigen, wie facettenreich und tiefgehend ausgearbeitet sie ist. Für den Computerspieler mögen das lohnenswerte Zusatzinformationen sein. Der reine Leser wird durch dieses Infodumping regelmäßig aus der Geschichte gerissen.
Das ist schade und hätte besser gelöst werden sollen, werden müssen, möglicherweise durch ein umfangreiches Glossar.
Die Handlung selbst bietet nämlich alles, was eine etwas abgedrehte Space Opera bieten muss. Sogar das Fehlen einer Heerschar von unterschiedlichsten Wesenheiten löst Marrak geschickt. Jerome, Abhanzia und die anderen Figuren sind maßgeschneidert, die Schauplätze sind ebenso fantastisch wie ungewöhnlich, die Dialoge gekonnt spritzig. Doch leider entwickelt „Gambit“ erst sehr spät einen Sog, zu spät.
Die letzten 50 Seiten lesen sich so, wie ich mir einen guten Roman vorstelle. Die Welt wird mitgeteilt, sondern erlebt. Die Handlung kommt in Gang, nimmt an Komplexität und Spannung zu. Alles endet da, womit es eigentlich beginnen sollte. Die Figuren sind in Stellung gebracht, große Fragen stehen im Raum und der Leser erwartet Teil 2, der hoffentlich deutlich stärker wird. Denn mehr als genug Potential sind Autor, Handlung und Welt ohne Frage vorhanden.

„Gambit“ ist die Vorbereitung für eine große, faszinierende Space Opera, liegt aber noch deutlich unter ihren Möglichkeiten.
5/10 Punkte
29.7.11 17:17
 
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