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SF-Challenge, Station Mars | "Die bewohnte Insel" von Boris und Arkadi Strugatzki

Die bewohnte Insel
(ca. 400 Seiten, ISBN: 978-3453526303)

Roman von Boris und Arkadi Strugatzki
Erstveröffentlichung 1969

Maxim Kammerer ist Mitglied der Gruppe „Freie Suche“, die sich zur Aufgabe gemacht hat, neue Planeten zu erforschen. Bei einem seiner Erkundungsflüge wird sein Raumschiff so schwer beschädigt, dass er notlanden muss. Kaum ist er ausgestiegen, explodiert es und keine andere Wahl, als auf dem nuklear versuchten Planeten zu bleiben. Schnell trifft auf Menschen, lernt ihre Sprache und gerät zwischen die Fronten eines Krieges, den die geheimen Machthaber gegen sogenannte Entartete führen.

Der Roman beginnt auf den ersten Seiten wie eine Robinsonade. Aus einer hochentwickelten Zivilisation stammend strandet die Hauptfigur in einer in seinen Augen minderentwickelten Welt. Dass natürlich alles nicht so einfach ist, wie es am Anfang scheint, ist vorauszusehen, verhilft der Geschichte aber zu sehr gelungen, überraschenden Perspektivwechseln.
Darüber hinaus ist „Die bewohnte Insel“ recht unauffällig. Die Sprache ist einfach, schnell zu lesen, aber etwas unterkühlt. Das ist eher untypisch für die Übersetzung eines russischen Textes ins Deutsche. Ob es aber an der Übersetzung oder am Stil der Strugatzkis liegt, kann allein an der deutschen Ausgabe nicht festgemacht werden.
Die Handlung ist zwar interessant, aber nicht so spannend und fesselnd, wie sie sein könnte. Das liegt vor allem an zwei Aspekten. Zum einen ist die Hauptfigur viel zu stark und zu mächtig. Maxim ist immun gegen nukleare Strahlung, schneller und kräftiger als alle anderen und steckt selbst Schussverletzungen überraschend gut weg, die bei anderen unweigerlich zum Tode geführt hätten. Zum anderen scheint es, als ob die stärksten Wandlungen und Entwicklungen der Hauptfigur gerade zwischen Kapiteln stattfinden, nicht erklärt werden und nicht immer nachvollziehbar sind. Maxim erscheint daher auf störende Weise unverständlich und unnahbar. Eine Identifikationsfigur, deren Weg der Leser gebannt verfolgt, ist er – vielleicht aber auch nur aus heutiger, westeuropäischer Perspektive – leider nicht.

Das Werk der Strugatzkis wie auch vieler anderer osteuropäischer Autoren, deren Werke zur Zeit der Sowjetunion entstanden, können und sollten nicht einfach als Unterhaltungsromane gelesen werden. In einer Zeit der Propaganda und Zensur bot gerade de phantastische Literatur eine Möglichkeit zur Kritik und freien Meinungsbildung.
„Die bewohnte Insel“ ist voller Hinweise und Anspielungen auf die damaligen politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse: die Indoktrination der Staatsmeinung, Ablehnung des Denkens, die gnadenlose Aufrüstung bei gleichzeitiger Verarmung, die Gesellschaft als Kollektiv, die Unnahbarkeit der politischen Führungsriege und der gewaltige, unbekannte Feind, über den alles begründet werden kann ...
Vor allem diese Verweise machen den Reiz der Lektüre aus und lassen zum Teil manche schlechten Eindrücke von Stil, Handlung und Figurenzeichnung vergessen.

„Die bewohnte Insel“ ist ein schnell zu lesendes Stück Zeitgeschichte im Gewand der ScienceFiction mit leichten erzählerischen Mängeln.
5/10 Punkte

„Die bewohnte Insel“ ist der erste Teil der allein durch die Hauptfigur verknüpften Maxim-Kammerer-Trilogie. Die Trilogie ist vollständig im Band 1 der „Gesammelten Werke“ abgedruckt.
19.7.11 14:32
 
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