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SF-Challenge, Station Saturn | "Die Mars-Chroniken" von Ray Bradbury

Die Mars-Chroniken
(272 Seiten, Übers. von Thomas Schlück, ISBN-13: 978-3257208634)

Roman von Ray Bradbury
Erstveröffentlichung 1950, überarbeitet und erweitert 1997

„Die Mars-Chroniken“ erzählen die Geschichte der Besiedlung des Mars. Sie beginnen bei den ersten Missionen, berichten von der Vernichtung der Marsbewohner, der Besiedlung des Planten durch die Menschen und schließlich auch von ihrem Rückzug zur Erde, als dort ein neuer Weltkrieg beginnt.

Bradbury erzählt diese Chronik nicht in Form eines Romans in Kapiteln mit ständig wiederkehrenden Figuren, sondern webt sie in 28 Geschichten. Zweiseiter wechseln sich dabei mit Novellen ab. Auf diese Weise legt er immer wieder auf andere Phänomene den Fokus und erschafft ein Werk, das durch seinen Reichtum an Perspektiven umfassender und reichhaltiger ist, als jede stringente fiktionale Geschichtsschreibung es sein könnte.
Der Stil ist einfach, aber poetisch. Das Buch wird auf diese Weise leicht zugänglich, ohne kalt oder oberflächlich zu sein. Auffällig ist, wie sehr sich die Stimmungen zwischen den einzelnen Geschichten unterscheiden. Beginnt Bradbury angenehm augenzwinkernd, ohne dabei platt pointiert zu sein, sind spätere Geschichten sehr empfindsam und zum Teil auch durch leichten Grusel gekennzeichnet.
Die „Mars-Chroniken“ sind Ideenliteratur der besseren Art, gut lesbar, aber voller Anspielungen und Fragen, die nach Antworten suchen. Die Ideen sind die Aufhänger für die einzelnen Geschichten, aber nicht ihre letzte Aussage. Es geht um Sehnsucht, um Heimat, Liebe, Familie, den Menschen selbst, seinen Glauben, seine Zerstörungswut ... Dabei kritisiert Bradbury nicht, sondern regt wohltuend zum Denken an.

Die „Mars-Chroniken“ sind, ohne sich selbst zu ernst zu nehmen, auf eine eigentümlich Weise reichhaltig, poetisch und fesselnd, wie es nur ausgezeichnete ScienceFiction sein kann.
10/10 Punkte


Eigentlich plante ich, dass ich die „Mars-Chroniken“ im Rahmen der 6. Station Jupiter (Space Operas) lese. Dabei ließ ich mich, obwohl ich es eigentlich besser wissen müsste, von dem Namen einer Sammelausgabe des Buches zusammen mit zwei anderen Werken des Autors lenken: Space Opera. Der Roman hat aber genauso wenig wie „Fahrenheit 451“, das sich ebenfalls in diesem Schuber befindet, etwas mit Space Opera gemein. Nicht einmal in Ansätzen.
Neben zahlreichen Themen findet sich in den „Mars-Chroniken“ jedoch auch das Thema des Stellvertreters und des künstlichen bzw. imaginierten Menschen. Zunächst um die Menschen in die Irre zu führen, initiiert durch die mental begabten Marsbewohner, als Annahme einer psychischen Krankheit, später tatsächlich als Roboter, um Menschen zu täuschen oder die Einsamkeit zu überwinden. Die letzte Geschichte gar endet mit dem Blick in eine spiegelnde Wasseroberfläche. Menschen blicken hinein und erkennen sich selbst als Marsianer. Immer steht die Frage dahinter: Ist das echt? Und jedes Mal zeigt sich, wie irrelevant diese Frage ist. Stattdessen sollte das Warum im Zentrum stehen. Denn jede Form des künstlichen Menschen erfüllt seinen Zweck und hat seinen Sinn, ganz im Gegenteil zu den Menschen selbst. Darüber hinaus schafft sie ein Bewusstsein für die Frage, was den Menschen und das Menschsein ausmacht, in einer Weise, wie es auch frühe Geschichten über Stellvertreter und künstliche Menschen wie Alraunen, Golems, Automaten, Roboter von Achim von Arnim, E.T.A. Hoffmann, Mary Shelley, Villiers de l’Isle-Adam sie thematisierten.
Auch wenn es auf den ersten Blick nicht nahe liegt, möchte ich deshalb die „Mars-Chroniken“ in die Station 07. Saturn (Roboter und KI) einordnen.
11.7.11 01:08
 
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