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SF-Challenge, Station Neptun | "Snow Crash" von Neal Stephenson

Snow Crash
(544 Seiten, Übers. von Joachim Körber, ISBN-13: 978-3442236862)

Roman von Neal Stephenson
1992

Hiro Protagonist arbeitet Nebenberuflich für die Mafia. Er ist Pizzaauslieferer und hat sich verpflichtet, jede Pizza innerhalb einer halben Stunde zuzustellen. Denn gelingt es ihm nicht, muss Onkel Enzo, das Oberhaupt der ehrenwerten Familie, sich persönlich dafür entschuldigen. Aber wer will einen alten und vielbeschäftigten Mann schon wegen einer solchen Lappalie belästigen? Dumm nur, dass Hiro die Pizza erst 20 Minuten nach der Bestellung erhält. Da hilft ihm auch nicht, dass er als Hacker eine gewaltige virtuelle Parallelwelt, das Metaversum, mitgestaltet hat und dort als der weltbeste Schwertkämpfer gilt.

Der Cyberpunkroman „Snow Crash“ steckt ohne Frage voller Ideen und spritziger Einfälle, die schnell, aber nicht atemlos erzählt werden. Die Handlung um den Hacker Hiro Protagonist, die jugendliche Kurierfahrerin Y.T und die Droge Snow Crash, die sowohl in der Realität als auch im Metaversum verheerend wirkt, überschlägt sich regelrecht. Dabei wechseln sich jedoch schnelle Verfolgungsjagden und Actionszenen mit informativen Gesprächspassagen ab.
Trotz der anfänglichen Pizza-Episode, die in ihrer Absurdität nur schwer zu übertreffen ist, ist „Snow Crash“ kein lustiger Roman. Er ist zwar augenzwinkernd erzählt, aber dennoch ernst. Bisweilen erinnert er auf diese Weise an einen Comic, was nicht weiter verwunderlich ist, da der Roman tatsächlich als Graphic Novel geplant war, die aber nie vollendet wurde. Dieses Comichafte ermöglicht Stephenson den Einsatz kruder Ideen, wirkt aber zum Teil zu glatt. „Snow Punk“ ist nicht so dreckig wie Cyberpunk sein könnte und sollte, sondern lediglich oberflächig schmutzig.
Stephenson führt mit diesem Buch den Begriff „Avatar“ für die Repräsentation eines Nutzers in einer virtuellen Welt ein und hat auf diese Weise im heutigen Internet allgegenwärtige Spuren hinterlassen. Darüber hinaus kritisiert, karikiert und überzeichnet er genretypisch zahlreiche gesellschaftliche Entwicklungen beginnend bei dem papierlosen Büro, über die zunehmende Überwachung von Angestellten bis hin zur Privatisierung und Kommerzialisierung von Staatlichkeit.
Allerdings ist „Snow Crash“ beinahe 20 Jahre alt. Gerade für eine Near Future Geschichte ist dies eine lange Zeit. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass manche technische Novität des Romans heute eher altbacken wirkt.
An der Schnelligkeit und seinem Unterhaltungswert hat der trotzdem nichts eingebüßt.

Stephenson ist in den letzten Jahren vor allem als Autor von Tausendseitern in Erscheinung getreten. Vor allem sein historischer Barock-Zyklus sucht in Umfang, Komplexität und Tiefgang seinesgleichen. „Snow Crash“ fällt im direkten Vergleich zu den aktuelleren Werken deutlich ab, ist dafür jedoch auch als leichtere Nachtlektüre geeigneter. Außerdem gibt es vor allem in einer Folge von Dialogen zwischen Hiro und einem künstlichen Bibliothekar, in dem antike Mythen aus der Perspektive eines Hackers vollständig umgedeutet werden, einen Ausblick auf die großen Qualitäten des Autors Stephenson.

„Snow Crash“ könnte dreckiger sein, den Figuren gegenüber der Handlung mehr Raum geben und einfach endlich zu der Graphic Novel werden, die er eigentlich hätte sein sollen. Da es so nicht ist, bleibt er ein schneller, süffiger Cyberpunkroman, der nicht so schwer wiegt wie die aktuellen großartigen Mammutwerke des Autors.

7/10 Punkte
5.7.11 18:54
 
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