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SF-Challenge, Station Venus | "Corpus Delicti" von Juli Zeh

Corpus Delicti. Ein Prozess
(272 Seiten, ISBN-13: 978-3895614347)

Roman von Juli Zeh
2009

Nach dem Selbstmord ihres inhaftierten Bruders, der wegen Vergewaltigung und Mord verurteilt wurde, aber vehement seine Unschuld bekundete, lässt sich Mia Holl gehen. Sie arbeitet nicht mehr, verlässt nicht ihre Wohnung, treibt keinen Sport und unterlässt es, ihre medizinischen Befunde an die staatlichen Stellen weiterzuleiten. So wird die METHODE, auf sie aufmerksam und stellt sie vor Gericht. In einer Welt, in der die verpflichtete Gesundheit des Körpers alles zählt und bestimmt, muss Mia sich von einer perfiden Anklage befreien.

Zeh legt eher ein Kammerspiel mit überschaubarem Figurenensemble vor als eine groß angelegte Zukunftsvision. Auch verzichtet sie beinahe vollständig auf technologische Weiterentwicklung. Sie nimmt die Figuren in den Fokus sowie die Wirkweisen eines Systems, das vordergründig vollkommen gesund ist und doch nur einen Tumor kaschiert.
Ein Vergleich zu Kafkas „Prozess“ liegt nicht nur durch den Untertitel auf der Hand, ist aber nur bedingt zutreffend, denn Zeh führt weniger das Justizwesen, sondern gleich eine ganze Gesellschaft vor. Dabei wird nicht pauschalisiert, nicht nur schwarz gezeichnet und werden nicht die einzelnen Menschen vergessen, die in all ihrer Unterschiedlichkeit eine Gesellschaft prägen und in ihr leben.

„Corpus Delicti“ ist – auch wenn die Autorin sich dagegen sträubt – definitiv Science Fiction. Jedoch handelt es sich um eine ruhigere, figurenzentrierte Spielart, die in einer denkbar zukünftigen Welt spielt, sie nicht nur vorstellt. Besonders letzteres ist ein Kunstgriff, den nur wenige Autoren verstehen und meistern.

„Corpus Delicti“ ist ein klug und gut geschriebener Roman über Gesundheitswahn, Diktatur, Wahrheitsglaube, Trauer und Einsamkeit. Dabei kommt er ohne Bombast und erhobenen Zeigefinger aus.

8/10 Punkte
20.6.11 18:38
 
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