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SF-Challenge, Station Merkur | "Das Tahiti-Projekt" von Ernst C. Fleck

Das Tahiti-Projekt
(325 Seiten, ISBN-13: 978-3492253628 )

Roman von Ernst C. Fleck
2008


Wir schreiben das Jahr 2020. Alle nationalstaatliche Politik ist zur Gespielin profitmaximierender Unternehmen geworden. Die Natur steht zum Ausverkauf. Der Topjournalist Maximilian Cording kehrt gerade aus Kalifornien zurück, wo er von den Kämpfen um die Abholzung der letzten Waldbestände aus Perspektive der Demonstranten berichtete, wird nach Polynesien geschickt. Dort ist in den letzten Jahren eine neue Lebensweise in Einklang mit der Natur entwickelt und erprobt worden. Dieses Tahiti-Projekt benötigt Geld und dafür die eine Menge positiver Presse.

Fleck führt den Leser in eine nahe Zukunft, die manche heutige Entwicklung nur konsequent fortzuführen scheint: Die Entmachtung demokratischer Strukturen durch Global Player, die systematische Zerstörung der Natur zur Gewinnmaximierung, die Abhängigkeit der Medien von Finanziers usw. Tahiti ist bewusst als Gegenmodell gezeichnet, dabei aber – was auch das Glossar mit seinen zahlreichen Einträgen zeigt – nicht als ein phantastisches Hirngespinst, sondern in zahlreichen Momenten an tatsächlich existierende technologische Entwicklungen angelehnt. Dass Fleck dabei auf eine Schwarz-Weiß-Malerei zurückgreift, ist nicht verwunderlich. Das Fehlen der Grautöne fällt jedoch auf.
Der Roman ist angelegt wie ein moderner, glatter Thriller amerikanischer Prägung. Fleck schreibt in kurzen Absätzen mit schnellen Schnitten, stilistisch unauffällig. Die Figuren bleiben dabei ebenso auf der Strecke wie große Szenen. Das liest sich flott und ohne Holpersteine. Doch im Unterschied zu den großen Thrillerautoren konstruiert Fleck die Handlung zu geradlinig und vorhersehbar. Natürlich wird das Öko-Insel-Paradies Tahiti bedroht, natürlich wird es gerettet. Spannung kommt dabei nicht auf.
Umso faszinierender ist die in manchen Bereichen die Schilderung Tahitis. Der Leser wird durch fremdartige Welt wie ein Reisender geführt. Er staunt und erhält zahlreiche Ansatzpunkte zur eigenen Reflexion der Gegenwart. Das Tahiti-Projekt stellt unseren Umgang mit uns und der Welt in Frage, zeigt aber zugleich auf vielfache Weise einen Ausweg. Das geschieht nicht immer ohne erhobenen Zeigefinger, aber immerhin wagt sich Fleck in einem Umfeld ungezählter, aktueller Dystopien an eine positive Sichtweise.

Das Thriller-Gewand schadet dem Roman eher, als es ihm gut tut. Fleck verschenkt dabei unnötig Möglichkeiten, die ihm ein fiktionales Werk gegenüber einem Sachbuch bieten könnte. Zudem verfällt er zu sehr der Schwarz-Weiß-Zeichnung und dem Mythos des edlen Wilden. Trotzdem scheinen in diesem Buch unangenehm viele Wahrheiten zu stecken, die zum Nachdenken anregen und das Buch nicht mit der letzten Seite enden lassen.

Der Thriller: 4/10 Punkte
Der Über- und Unterbau: 9/10 Punkte
Gesamt (weil das Buch abseits jeder Kategorisierung allemal empfehlenswert ist): 7/10 Punkte

Das Tahiti-Projekt erhielt den Deutschen Science Fiction Preis 2009.
19.6.11 18:02
 
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