Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 



Veröffentlichungen
2011
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2004
2003



http://myblog.de/felixw

Gratis bloggen bei
myblog.de



(4) Der Rattensucher ist ... ein phantastischer Roman.

Der Rattensucher ist ein Western in der Gestalt eines Heftromans. Das hatten wir bereits geklärt. Nichtsdestotrotz ist er aber auch ein phantastischer Roman. Realismus-Puristen werden sich deshalb damit schwer tun. Aber wer erwartet auch schon von einem „Woitkowski“ ein Stück Literatur, in dem nicht das Unerwartete um die Ecke lugt.
Wenn ich schon eine fiktive Geschichte erzähle, dann kann ich auch gleich das Türchen etwas öffnen, das uns aus der Wirklichkeit herausführt. Aber was soll das eigentlich auch sein, diese ‚Wirklichkeit‘? Damit habe ich auch diesmal nichts am Hut.
Wer aber unter Phantastik nur Tolkien-Fantasy versteht, wird ebenso enttäuscht werden wie jemand, der ScienceFiction mit Star Wars gleichsetzt. Nein, so einfach und stereotyp ist es nicht. Es kommen keine Orks auf Pferden herbeigeritten. Elfen werden auch nicht per Steckbrief gesucht. Seien wir ehrlich: Welcher Hobbit würde Sporen an seinen behaarten Füßen tragen?
Dafür gibt es „Rattensucher“ natürlich Ratten, jede Menge sogar, und manche sonderbare Taube. Bisweilen mutet auch die Dampftechnologie etwas seltsam an. Einer Wurzel werden Beine gemacht. Über all dem schwebt nicht zuletzt eine Melodie. Glaub mir, es lohnt sich, ihr zu lauschen. Aber gib acht, verlier dich nicht in ihr.^

„Der Rattensucher“ erscheint Ende März und Anfang April als Heftroman-Zweiteiler in der Lit.Limbus-Reihe des Wunderwaldverlags.
4.3.12 19:36




(3) Der Rattensucher ist ... eine Ablenkung von Wichtigerem.

Je nachdem, wann es gelesen wird, kann jedes Buch Ablenkung von Wichtigerem sein. Aber wer legt eine spannende Geschichte schon gern aus der Hand, wenn er stattdessen auch für eine Prüfung lernen oder eine Steuererklärung machen könnte. Ich gehöre nicht dazu.
Ob „Der Rattensucher“ in dieser Hinsicht von Wichtigerem ablenkt, kann ich nicht beurteilen. Für mich zumindest war das Schreiben beider Romane eine große und gern gesehene Ablenkung. Immerhin hatte ich nebenher die Abschlussarbeit meines Studiums zu verfassen.
Wie es dazu kam, ist ganz leicht. Ich hatte die Chance, zwei Heftromane zu verfassen, dachte nicht lange darüber nach und sagte zu.
Wenn jetzt aber zugleich das Prüfungsamt und der Wunderwaldverlag Abgabetermine festsetzen, wird es natürlich eng. Dass der Tag nur 24 Stunden hat, muss sicherlich jeder schmerzvoll erfahren, der nicht nur kreativ, sondern auch unter Zeitdruck arbeitet.
Mein Vorteil ist, dass ich wissenschaftlich sehr organisiert, kontrolliert und regelmäßig schreiben kann. Wenn ich pro Tag ein paar Stunden intensiv recherchiere, plane und formuliere schaffe ich ein ordentliches Pensum und kann den Rest des Tages abschalten. Das habe ich mir zunutze gemacht. Bis über Mittag saß ich an meiner Masterarbeit und nachmittags, wenn es eben ging, an dem „Rattensucher“.
Letztendlich ist mir beides geglückt. Meine Abschlussarbeit wurde nicht nur pünktlich fertig, sondern auch sehr positiv von meinen Gutachtern angenommen. Den „Rattensucher“ stellte ich auf den Punkt fertig und wartet jetzt ebenso darauf, gelesen und hoffentlich anzukommen. Vielleicht wird er dann weiterhin gern gesehene Ablenkung sein.

„Der Rattensucher“ erscheint Ende März und Anfang April als Heftroman-Zweiteiler in der Lit.Limbus-Reihe des Wunderwaldverlags.
26.2.12 23:23


(2) Der Rattensucher ist ... ein Western.

Ohne Frage ist „Der Rattensucher“ ein Western. Wir befinden uns darin nicht unweit des Colorado Rivers in einer Siedlung, wie sie für allerlei Filme und Literatur dieses Genres typisch ist. Die Aussiedler aus Europa leben in Armut von dem, was das karge Land ihnen hergibt. Sie sind glücklich, denn im freien Amerika können sie ungestört ihren Glauben ausleben. Nur der benachbarte Viehbaron setzt ihnen immer wieder zu, bedrängt sie und treibt seine Herden über ihr Land.
Die Hauptfigur könnte aus einem Sergio Leone-Film entsprungen sein. Er ist groß gewachsen, schweigsam und spielt bevorzugt Mundharmonika. Er hat weder eine Geschichte noch ein Ziel. Er ist einfach da. Nur anders als in vielen Filmen trägt er keinen Revolver bei sich. Andere dafür sehr wohl, aber eine Waffe allein war ja noch nie eine gute Lebensversicherung.
„Der Rattensucher“ ist definitiv ein Western, voller Versatzstücke des Genres, aber ohne sich darauf auszuruhen. Er wiederholt das Genre nicht, erfindet es aber auch nicht neu. Ich habe ihn mit eigener Stimme geschrieben, mit meiner.

„Der Rattensucher“ erscheint Ende März und Anfang April als Heftroman-Zweiteiler in der Lit.Limbus-Reihe des Wunderwaldverlags.
20.2.12 00:33


(1) Der Rattensucher ist ... ein Heftroman.

Wenn ich über den „Rattensucher“ nachdenke und spreche, kategorisiere ich beide Teile als Kurzromane. Dabei lässt sich darüber aus literaturwissenschaftlicher Perspektive sicherlich streiten. Ist Teil eins nicht noch eine Novelle? Ist Teil zwei etwa schon ein Roman? Letztendlich lasse ich diese Frage lieber andere entscheiden, soweit sie daran überhaupt interessiert sind.
Fakt ist, beide Teile erscheinen in Form eines Heftromans. Das heißt, sie sind zweispaltig auf einer DIN A 5 Seite gesetzt, haben eine Klammerheftung statt eines ordentlichen Buchrückens und werden von Literaturwissenschaftlern der alten Schule ebenso wie Feuilletonisten nur unter Androhung überhaupt angefasst.
„Der Rattensucher“ ist aber auch aus anderen Gründen wie ein Heftroman. Er ist geradlinig und auf den Punkt erzählt, flott und spannend. Er ist ein Stück guter Trivialliteratur. Mein „Rattensucher“ ist so geschrieben, dass er im Bus gelesen werden kann, im Wartezimmer, auf der Toilette und nach einem langen Arbeitstag im Bett. Er ist Gebrauchsliteratur im besten Sinne: Literatur zum Lesen.
Ein Freund, der bereits den ersten Teil lesen durfte, wunderte sich etwas über die Geradlinigkeit. Das sei ja gar nicht wie die „Wanderdüne“. Nein, ganz sicher nicht, aber das soll auch nicht so sein. Trotzdem bleibt es ein echter Woitkowski: Vordergründig eine interessante, spannende Geschichte und hintergründig Vieles, dass niemand finden muss, um Spaß an dem Zweiteiler zu haben.

„Der Rattensucher“ erscheint Ende März und Anfang April als Heftroman-Zweiteiler in der Lit.Limbus-Reihe des Wunderwaldverlags.
16.2.12 13:26


Bald: Der Rattensucher!

Ende März und Anfang April werden zwei Kurzromane von mir erscheinen. Der Zweiteiler trägt den Titel „Der Rattensucher“ und hat bei den Lit.Limbus-Heftromanen im Wunderwaldverlag ein zu Hause gefunden.

In den nächsten Wochen werde ich deshalb regelmäßig bloggen, was mein „Rattensucher“ ist und was eben nicht. Ich werde aus dem Nähkästchen plaudern, etwas über die Idee, den Entstehungsprozess und die Romane selbst erzählen.
16.2.12 13:11


Odem des Todes, Kollaboratives Schreiben, Die Wanderdüne, Der Rattensucher

Es gibt viel zu bereichten aus den letzten Monaten. Meine Masterarbeit ist mittlerweile abgeschlossen und mein Studium neigt sich stark dem Ende entgegen. Deshalb bin ich stärker darin eingebunden, für Prüfungen zu lernen und die Wege der Universitätsbürokratie zu gehen, statt mich um diesen Weblog und das Schrieben allgemein zu kümmern. Dennoch gibt es jetzt hier die Neuigkeiten aus meiner Welt des Schreibens:

***

Im Herbst erschien bereits die von Alisha Bionda herausgegebene Anthologie „Odem des Todes“ bei Voodoo Press. Darin bin ich mit meiner Geschichte „Adisons Pforte“ vertreten. Bisher ist die gesamte Anthologie, aber auch mein Werk gut bei Lesern und Rezensenten angekommen, worüber ich mich sehr freue.

***

Anfang Januar erschien mein erster Aufsatz in einer Fachpublikation. Vor einem Jahr hielt ich mit drei Kolleginnen im Rahmen einer Ringvorlesung an der WWU Münster einen Kurzvortrag zum kollaborativen Schreiben. Der Organisator Johannes Berning hat nun alle Vorträge in einem Buch versammelt. "Textwissen und Schreibbewusstsein. Beiträge aus Forschung und Praxis" heißt das gute Stück.
Weitere Informationen sowie einen Einblick in das Buch ist auf der Homepage des Lit.Verlages zu finden.

***

Weil auch Wanderdünen mit der Zeit gehen müssen und wollen, ist seit ein paar Tagen mein Roman auch im Kindle-Shop von amazon.de erhältlich. Der unschlagbare Preis beträgt 2,68€. Wem das nicht Kaufgrund genug ist, sollte einmal die nachfolgenden Links auf sich wirken lassen.

Ein schmales Bändchen, dessen Textmenge sich beim Lesen vermehrt, hat Felix Woitkowski hier im Wunderwaldverlag veröffentlicht. Phantastik in bester Tradition und ein Versprechen auf weitere, so erstaunliche Texte aus der Hand des jungen Autoren.
Ralf Steinberg für fantasyguide.de

Ein wenig kafkaesk, mit einem Hauch von Meyrink, einer Prise Kubin und sogar ein wenig Bradbury sowie einiges an neuen skurrilen Ideen – eine Mischung, die mir sehr zusagte. Für mich war es ein regelrechter Pageturner.
Sabine Völkel im Forum der Geschichtenweber

"Die Wanderdüne“ ist kein Buch für jedermann; zieht dessen Geschichte seinen Reiz doch mehr aus den Aufbau einer finsteren Atmosphäre und undurchschaubarer Ereignisse. Action und ein wilde Handlung sucht man vergeblich. Wer jedoch der subtilen Form der Phantastik zugeneigt ist, wird mit diesem Titel bestens bedient sein.
Eric Hantsch für literra.info

Teilweise erinnerte mich das ganze an die Frühwerke eines Michael Marrak. Dann musste ich wieder an die Comics der Franzosen Shuiten und Peters denken, bzw. an ihre Reihe über die Geheimnisvollen Städte. "Die Wanderdüne" ist sprachlich gehoben, stilistisch sicher und eigen, inhaltlich nachvollziehbar schön verworren ... Ich oute mich hiermit als Stadt-Fan.
Tobias Bachmann im Horror-Forum

Ich wurde beim Lesen von der Wanderdüne überrollt. In Erwartung einer harmlosen Fantasy-Geschichte ließ ich den irgendwie naiv-durchschaubar wirkenden Rummelplatz-Beginn an mir vorbeiplätschern...natürlich...das alte Zelt...Portal in eine andere Welt...was sonst...aber plötzlich werde ich fast umgestoßen von (alp-)traumhaften Orten und Ereignissen, die sich wie Scherben vor einem ausbreiten, man versucht vergeblich, sie zu einem Ganzen zusammenzufügen und immer wenn man glaubt, es annähernd erfasst zu haben, verläuft es im Sande(!).
Rezension auf amazon.de

***

Wem das alles nicht genügt, der darf sich auf zwei zusammenhängende Kurzromane freuen, die in den nächsten Wochen unter dem Reihentitel "Der Rattensucher" erscheinen werden.
22.1.12 15:40


Spam & neue Veröffentlichung

Leider wurde in den letzten Tagen dieser Weblog so sehr mit Spam-Kommentaren zugemüllt, dass ich die Kommentierfunktion außer Kraft setzen muss. Wer mich dennoch erreichen möchte, findet sicherlich über das Gästebuch und die Kontakfunktion einen Weg.

---

Dafür gibt es aber auch eine gute Neuigkeit. Im Herbst dieses Jahres wird mit "Odem des Todes" bei Voodoo-Press eine Anthologie erscheinen, die nicht nur ganz im Geiste Edgar Allan Poes verfasst wurde, sondern auch Episoden aus dem Leben des Schriftstellers aufgreift. Eine der Geschichten darin, stammt aus meiner Feder.
Mehr Informationen gibt es bereits hier!
14.9.11 15:19


SF-Challenge, Station Pluto | „Die Welt in 100 Jahren“, hrsg. von Arthur Brehmer

Die Welt in 100 Jahren
(340 Seiten, ISBN-13: 978-3487083049)

Anthologie von Arthur Brehmer
Erstveröffentlichung 1909


Bücher über die Zukunft gibt es zuhauf. Viele verstecken sich unter dem Gewand der ScienceFiction als spannende, actiongeladene Abenteuergeschichten. Andere bilden oft als literarische Utopien und Dystopien Wünsche oder Befürchtungen der Gegenwart ab. Dritte wiederum sind nicht von Literaten, sondern von Wissenschaftlern und Philosophen verfasst und versuchen sich nicht erzählerisch, sondern eher essayistisch der Zukunft zu nähern. Ein populäres Beispiel hierfür ist Andreas Eschenbachs „Buch von der Zukunft“, ein anderes das vorliegende.

Für dieses Buch wurden vor über 100 Jahren wurden 23 Aufsätze über die Zukunft zusammengetragen. Die Autoren sind Fachleute, Spezialisten auf ihrem jeweiligen Gebiet. Die Themen reichen von Krieg und Frieden, dem sozialen und kulturellen Zusammenleben, Geschlechterrollen, über Kunst, Literatur, Musik und Sport bis hin zu technologischen Weiterentwicklungen.

Die Zukunftsdarstellung ist differenziert, wenn auch in großen Teilen positiv. Die technische Weiterentwicklung wird als Segen wahrgenommen, sogar der ewige Frieden vorhergesagt. Darüber lassen sich leicht die vorhandenen Kapitel über zunehmende Krankheiten und große Kriege vergessen. Etwas zynisch, aber nicht weniger interessant endet die Anthologie mit Überlegungen zum Weltuntergang, der jedoch nur angedacht und durchgespielt, nicht prognostiziert wird.

Das spannendespeziell an diesem Buch über die Zukunft liegt sowohl in seinem Alter und als auch in der Jahreszahl, die Kennziffer für die dargestellte Zukunft ist. Verfasst wurde die Anthologie 1909. Dargestellt wird Welt im Jahr 2009. Das Buch schildert daher 100 Jahre alte Überlegungen über die Ausgestaltung unserer Gegenwart.

Dabei ist die Anthologie deutlich als Kind seiner Zeit zu erkennen. Das neuentdeckte Radium wird in mehreren Texten als das Heilmittel dargestellt, dass die Menschheit in eine neue, glücklichere Epoche führen wird. Die Erwartungen sind dabei so groß, dass alles zerstörerische Potential der Atomkraft zwar genannt, aber nicht als Gefahr erkannt wird. Kaum eine der Hoffnungen hat sich aus heutiger Perspektive bestätigt.

In anderen Feldern sind die Voraussagen weniger überschwänglich, in vereinzelten Fällen dafür treffsicher. Die Voraussage von Handys und der europäischen Einigung sind zwei Beispiele dafür.

Wer diese Anthologie jedoch allein auf die Richtigkeit der Prognose hinliest, wird wenig Freude daran haben. Denn weder konnten die Autoren in die Zukunft blicken, noch haben eine in sich homogene Zukunft dargestellt. Stattdessen finden sich in dem Buch jedoch eine Füllzahl an Ideen und 23 tiefe Einblicke in die Weltanschauung der Menschen vor 100 Jahren.

Stilistisch ist „Die Welt in 100 Jahren“ so unterschiedlich wie seine Autoren und Themen. Erzählerische Passagen sind ebenso darin zu finden wie reine Sachtexte. Das liest sich je nach Perspektive etwas sperrig und altbacken oder auch sympathisch antiquiert, zeitgemäß für ein 100 Jahre altes Buch über unsere Zeit.

Abgerundet wird der reich illustrierte Band, der einzig Informationen zu den Autoren vermissen lässt, durch ein aktuelles Vorwort von Georg Ruppelt.

Für Blätternde ebenso wie Gesamtleser
10 von 10 Punkte
28.8.11 17:33


SF-Challenge, Station Jupiter | „Black Prophecy: Gambit“ von Michael Marrak

Black Prophecy: Gambit
(315 Seiten, ISBN-13: 978-3833223556)

Roman von Michael Marrak
2011

2558. Die Menschheit lebt weit verbreitet im Weltall. Um in den widrigen Umwelten der Kolonieplaneten bestehen zu können, wurde tief in die DNA eingegriffen. Zwei neue Rassen entstanden darüber, die erst vom Sapien unterdrückt wurden, sich in einem Krieg befreiten und über ihn stellten. Seitdem sind Sie die Herren der Welt, in der es kein intelligentes Wesen außer dem Menschen zu geben scheint.
Jerome befindet sich auf einer achtjährigen Reise zu einer der neuen Kolonien. Kurz vor Ankunft wird sein Schiff von Unbekannten attackiert. Er umgeht jede Vorschrift und kann den Angriff zurückschlagen, aber verliert seine Fluglizenz. Seine Exfrau Abhanzia, die sich ebenfalls an Bord befindet, gibt sich zur selben Zeit ihrer Drogensucht hin und beginnt, fremde Gestalten zu sehen. Die Ärzte vermuten, dass eine psychische Erbkrankheit bei ausgebrochen ist. Jerome schenkt ihnen zunächst glauben, wären da jedoch nicht die Scanner der Überwachungskameras ...

Michael Marrak ist kein Unbekannter in der deutschen Phantastik-Szene. Obwohl er sich in den letzten Jahren etwas rar gemacht hat, stehen neben seinen zahlreichen Kurzgeschichten vor allem auch seine Roman „Lord Gamma“, „Morphogenesis“ und „Imagon“ für ein Leseerlebnis der besonderen Art. Marrak schreibt ebenso fundiert wie außergewöhnlich, ist in der ScienceFiction, im Horror und im Surrealismus zugleich zu Hause und mixt daraus wie kein anderer einen eigenwilligen, kruden Mix.
Dementsprechend hoch sind die Erwartungen an seinen neuen Roman.

Mit „Gambit“ wagt er sich auf ein neues Terrain. Es ist sein erster Roman zu einem Computerspiel, nämlich zu „Black Prophecy“, an dessen Entwicklung er beteiligt ist.
Bei der Lektüre wird schnell deutlich, dass Marrak zweierlei versucht. Zum einen möchte er eine Geschichte erzählen, zum anderen versucht er den Leser in das „Black Prophecy“-Universum einzuführen. Deshalb ist auch nicht wunderlich, dass der Roman nicht mit einem furiosen Prolog, sondern mit einer Chronologie beginnt. Beginnend mit der Mondlandung 1969 stellt Marrak darin die Eckpfeiler des Weges der Menschheit in den Weltraum bis 2558 dar. Das liest sich gut und flüssig, hat aber mit der Romanhandlung selbst nur am Rande zu tun.
Leider trifft das auch auf viele weitere Passagen des Romans zu. Marrak hat eine phantastische Welt entworfen und will dem Leser zeigen, wie facettenreich und tiefgehend ausgearbeitet sie ist. Für den Computerspieler mögen das lohnenswerte Zusatzinformationen sein. Der reine Leser wird durch dieses Infodumping regelmäßig aus der Geschichte gerissen.
Das ist schade und hätte besser gelöst werden sollen, werden müssen, möglicherweise durch ein umfangreiches Glossar.
Die Handlung selbst bietet nämlich alles, was eine etwas abgedrehte Space Opera bieten muss. Sogar das Fehlen einer Heerschar von unterschiedlichsten Wesenheiten löst Marrak geschickt. Jerome, Abhanzia und die anderen Figuren sind maßgeschneidert, die Schauplätze sind ebenso fantastisch wie ungewöhnlich, die Dialoge gekonnt spritzig. Doch leider entwickelt „Gambit“ erst sehr spät einen Sog, zu spät.
Die letzten 50 Seiten lesen sich so, wie ich mir einen guten Roman vorstelle. Die Welt wird mitgeteilt, sondern erlebt. Die Handlung kommt in Gang, nimmt an Komplexität und Spannung zu. Alles endet da, womit es eigentlich beginnen sollte. Die Figuren sind in Stellung gebracht, große Fragen stehen im Raum und der Leser erwartet Teil 2, der hoffentlich deutlich stärker wird. Denn mehr als genug Potential sind Autor, Handlung und Welt ohne Frage vorhanden.

„Gambit“ ist die Vorbereitung für eine große, faszinierende Space Opera, liegt aber noch deutlich unter ihren Möglichkeiten.
5/10 Punkte
29.7.11 17:17


SF-Challenge, Station Uranus | „Der Tunnel“ von Bernhard Kellermann

Der Tunnel
(374 Seiten, ISBN-13: 978-3518389553)

Roman von Bernhard Kellermann
Erstveröffentlichung 1913

Der Ingenieur MacAllen, Erfinder eines ungewöhnlich harten Stahls, fährt 1913 mit seiner Frau nach New York. Maud ahnt den wahren Grund ihrer Reise nicht und genießt ungezwungen ein legendäres Konzert zur Eröffnung des Madison Square Gardens. Erst spät erfährt sie, dass MacAllen in die Stadt gekommen ist, um Geldgeber für ein gigantisches Projekt zu gewinnen. Innerhalb von 15 Jahren will er einen Eisenbahntunnel zwischen Amerika und Europa graben.

Kellermanns „Der Tunnel“ erschien 1913 als eine literarische Sensation. Der Roman gilt nicht nur als erfolgreichster deutschsprachiger ScienceFiction-Roman, sondern soll auch die deutsche Literatur für technologische Entwicklungen geöffnet haben. Heutzutage sind Autor und Buch weitestgehend unbekannt. Der zu übermächtige Jules Vernes dominiert die Wahrnehmung des Genres der Technik-Utopien.
Zu unrecht wohlgemerkt.

Denn „Der Tunnel“ war, ist und bleibt ein Ereignis.
Kellermann schreibt fundiert und spannend zugleich, er verwebt die Geschichte um ein waghalsiges Projekt gekonnt mit dem Schicksal daran beteiligter Menschen, dabei stehen technische Fragen ebenso wie die Figuren im Mittelpunkt. Die Schilderung des rasenden Aufstiegs MacAllens, die persönlichen Schicksalme und öffentlichen Rückschläge erlebt der Leser wirklich mit, fiebernd, ringend. Dabei sind die Figuren nicht nur Scherenschnitte, sondern tatsächlich mehrschichtig. Nicht selten nimmt sich Kellermann Zeit, die Romanhandlung für einen Moment ruhen zu lassen und die Biographie der Handlungsträger zu schildern, ohne jedoch dabei an Spannung und Atmosphäre einzubüßen.
Neben der eigentlichen Handlung fließen zahlreiche zeitgenössische Verweise in den Roman mit ein wie z.B. auf die Weltwirtschaftskrise und technischen Fortschritt. Natürlich sieht Kellermann den ersten Weltkrieg nicht voraus und so bleibt das Ende des Romans in einer positivieren Welt hängen, schließt aber auch in einer nicht ganz offensichtlichen Technikreflexion, die weit über den Anspruch eines Unterhaltungsromans hinausgeht.

Auffällig, fast ein wenig schrullig ist der Versuch Kellermanns durch englische Phrasen und Begriffe die Romanhandlung glaubwürdiger in den USA zu verorten. Autos sind bspw. immer Cars und die Dialoge voll von englischen Wörtern (zufällig herausgegriffen von Seite 90) : „Wenn those blasted fools mich nicht holen“, schrie er, „so werde ich mich selbst ausgraben!“
Das liest sich nett und sympathisch, fast humorvoll. Für einen heutigen Leser, der so sehr damit vertraut ist, dass Romane in Amerika spielen, braucht es jedoch keine derartigen Verrenkungen.

Kellermanns „Der Tunnel“ ist eine spannend, fesselnde Technik-Utopie, die das Schicksal der Figuren niemals aus den Augen verliert und aus heutiger Perspektive nichts an seiner Wirkung eingebüßt hat. Daran ändert auch nicht, dass der Roman fast 100 Jahre nach seinem bestehen, nicht mehr auf den ersten Blick als ScienceFiction erscheint und jede Technik darin überholt ist.
Ohne zu zögern: 10/10 Punkten
23.7.11 12:29


 [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung